Wie Wanddicke und Anschnittposition die Widerstandsverteilung in leitfähigem PP beeinflussen
Ein Formteil aus leitfähigem PP kann an einer Messstelle bestehen und an einer anderen ausfallen. Das Material ist gleich, aber Wanddicke, Anschnitt, Bindenähte und Fließrichtung entscheiden, ob die ESD-Leistung am Formteil gleichmäßig bleibt.

Engineering FAQ
Wie Wanddicke und Anschnittposition die Widerstandsverteilung in leitfähigem PP beeinflussen
Warum zeigt dasselbe leitfähige PP-Teil unterschiedliche Werte?
Weil der Spritzguss Füllstofforientierung durch Fließweg, Wanddicke, Scherung, Abkühlung und Bindenähte verändert.
Reicht der Granulat-Widerstand für die Freigabe?
Nein. Granulatdaten sind nur ein Startpunkt. Die ESD-Leistung muss am Formteil, an den kritischen Flächen und in den relevanten Richtungen gemessen werden.
Welche Wanddicke ist bei leitfähigem PP günstiger?
Für viele Teile ist 1,5-2,0 mm ein sinnvoller Startbereich. Unter 1,0 mm sind Anschnitt und Prozess kritisch; über 3,0 mm muss die Haut-Kern-Struktur geprüft werden.
Was braucht DEYU für eine Empfehlung?
Zeichnung, Wanddicken, geplanter Anschnitt, ESD-Ziel, Messmethode, kritische Flächen, Fehlerdaten und Spritzgussbedingungen.
Hintergrund / Problem
Ein wiederkehrendes Problem bei leitfähigen Kunststoffen ist, dass zwei Teile aus demselben Material und demselben Werkzeug je nach Messstelle sehr unterschiedliche Widerstände zeigen. Am Anschnitt kann der Wert bestanden sein, während dieselbe Komponente am Fließwegende, an einer dünnen Wand oder an einer Bindenahte ausfällt.
Die Ursache liegt nicht nur in der Granulatrezeptur. Sie liegt auch in der Teilegeometrie und in der Art, wie die Schmelze durch diese Geometrie fließt.
Wanddicke und Anschnittposition bestimmen Fließlänge, Druckverteilung, Scherrate, Füllstoffausrichtung, Abkühlung, Haut-Kern-Struktur sowie Lage und Schwere der Bindenähte.
Wer diese Faktoren ignoriert, bekommt Teile, die an einer Stelle bestehen und an anderer ausfallen, schwankende ESD-Leistung, höheren Ausschuss, Feldausfälle und Werkzeugkosten für Teile, die sich nicht stabil spritzen lassen.
Als Materialkontext veröffentlicht DEYU DGK-PP DD2-3A leitfähiges PP. Für die breitere Auswahl siehe den Auswahlleitfaden für leitfähige PP-Formteile. Die im Kundenversuch genannte Richtung DGK-PP DD4-5 wird hier als interne Versuchsausrichtung behandelt, nicht als öffentliche Produktseite.

Technische Schwierigkeit: Warum Geometrie die Widerstandsverteilung verändert
Fließlänge und Druckabfall: Gradient vom Anschnitt zum Fließwegende
Beim Spritzguss ist der Schmelzedruck am Anschnitt am höchsten und fällt entlang der Kavität ab. Nahe am Anschnitt kann hohe Scherung eine dichte, aber stark orientierte Füllstoffstruktur erzeugen. In der Mitte ist der Zustand ausgeglichener. Am Fließwegende ist die Scherung niedriger, aber der Nachdruck kann schwächer sein.
Wanddicke: Scherrate und Abkühlung
| Wanddicke | Scherung | Abkühlung | Orientierung | Widerstandsverhalten |
|---|---|---|---|---|
| Dünn (<1,0 mm) | Hoch | Schnell | Stark in Fließrichtung | Hohe Anisotropie; höherer Oberflächenwiderstand |
| Mittel (1,5-2,5 mm) | Moderat | Moderat | Ausgewogen | Gleichmäßigerer Widerstand |
| Dick (>3,0 mm) | Niedrig | Langsam | Zufälliger | Weniger Anisotropie; mögliche Kernleitfähigkeit |
Wanddicke verändert Scherung und Abkühlung. Dünne Wände erzeugen hohe Scherung und schnelle Abkühlung, wodurch Füllstoffe in Fließrichtung ausgerichtet werden. Mittlere Wände ergeben eine ausgewogenere Orientierung. Dicke Wände senken Scherung, kühlen aber langsam und verstärken Haut-Kern-Unterschiede.
Haut-Kern-Struktur: Widerstandsgradient über die Dicke
| Schicht | Bildung | Orientierung | Widerstand |
|---|---|---|---|
| Haut | Schnelle Abkühlung an Werkzeugwand | Stark orientiert | Höherer Oberflächenwiderstand |
| Unterhaut | Übergangszone | Moderate Orientierung | Variabel |
| Kern | Langsame Abkühlung in der Mitte | Zufällig oder weniger orientiert | Niedrigerer Widerstand, leitfähiger |
Spritzgussteile bilden eine Haut-Kern-Struktur. Die Haut kühlt schnell an der Werkzeugwand ab und ist meist stärker orientiert. Der Kern kühlt langsamer und kann ein zufälligeres Netzwerk behalten. Oberflächenwiderstand liest vor allem die Haut.
Anschnittposition: Fließweg und Bindenahte
Die Anschnittposition definiert den Fließweg. Ein Randanschnitt erzeugt lange Wege und starke Orientierung. Ein Zentralanschnitt erzeugt radialen Fluss und kürzere Wege. Mehrere Anschnitte kürzen den Weg, erzeugen aber Bindenähte.
Bindenähte: lokaler Ausfallpunkt
Bindenähte entstehen, wenn zwei Schmelzefronten zusammentreffen. Füllstoffe können sich umlagern oder lokal verarmen, wodurch das leitfähige Netzwerk unterbrochen wird. Für Oberflächen-ESD ist dies oft die kritischste Hochwiderstandszone.
Füllstofforientierung: Treiber der Anisotropie
Anisotrope Füllstoffe wie Carbonfaser, CNT und hochstrukturierter Ruß richten sich im Fluss aus. Die Leitfähigkeit kann in Fließrichtung höher und quer oder über die Dicke niedriger sein.
DEYU-Materialrichtung: Konstruktionsregeln für gleichmäßigen Widerstand
DEYU betrachtet die Konstruktion leitfähiger PP-Teile als Zusammenspiel aus Material, Werkzeug und Validierung. Ziel ist nicht ein niedriger Granulatwert, sondern die Einhaltung aller kritischen Flächen am realen Formteil.
Regeln zur Wanddicke
| Element | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Mindestwanddicke | >=0,8 mm für leitfähiges PP | Darunter kann Scherung das Netzwerk stören |
| Optimalbereich | 1,5-2,0 mm | Balanciert Fluss, Scherung und Abkühlung |
| Maximaldicke | <=3,0 mm | Darüber steigen Haut-Kern-Unterschiede |
| Dickenübergänge | Stufenlos, möglichst <=3:1 | Abrupte Wechsel erzeugen Widerstands-Hotspots |
Regeln zur Anschnittposition
| Element | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Anschnittlage | In dickere Bereiche legen | Verbessert Nachdruck und reduziert unkontrollierte Orientierung |
| Fließweglänge | Abstand zum Fließwegende minimieren | Reduziert Druckabfall und Gradienten |
| Anschnitttyp | Fächer- oder Filmanschnitt für große Teile | Reduziert lokale Scherung |
| Mehrere Anschnitte | Bei >150 mm prüfen | Kürzt Fließweg, Bindenähte müssen kontrolliert werden |
| Kritische Flächen | Bindenähte von ESD-Kontakten fernhalten | Bindenähte sind Risikozonen |
Regeln zum Fließweg
| Element | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Fließweggeometrie | Sanfte Kurven, keine scharfen Ecken | Ecken ändern Scherung und Orientierung |
| Fließlänge | Mit einem Anschnitt möglichst <150 mm | Lange Wege erzeugen Gradienten |
| Fließbalance | Alle Kavitäten ausbalancieren | Verhindert Kavitätsstreuung |
Prozessoptimierung nach Geometrie
| Parameter | Richtung | Warum |
|---|---|---|
| Schmelzetemperatur | Oberer Bereich bei dünnen Wänden | Verbessert Fluss und reduziert Über-Scherung |
| Einspritzgeschwindigkeit | Moderat bei dünn; niedriger bei dick | Balanciert Füllung und Orientierung |
| Werkzeugtemperatur | Höher bei dünnen Wänden | Reduziert Haut-Kern-Unterschied |
| Nachdruck | Nach Wanddicke optimieren | Kompensiert Schwindung ohne Überorientierung |
Referenzdaten: Widerstandsverteilung nach Geometrie
Die Tabelle zeigt Referenzdaten einer typischen internen Richtung für leitfähiges PP. Werte sind richtungsabhängig und müssen am realen Formteil validiert werden.
| Wanddicke | Anschnitt | Position | Oberflächenwiderstand | Variation | Faktor |
|---|---|---|---|---|---|
| 0,8 mm | Randanschnitt | Nahe Anschnitt | 5 x 10^5 ohm/sq | 1x | Hohe Scherung |
| 0,8 mm | Randanschnitt | Mitte | 8 x 10^6 ohm/sq | 16x | Füllstofforientierung |
| 0,8 mm | Randanschnitt | Fließwegende | 5 x 10^7 ohm/sq | 100x | Niedrige Scherung und Druckabfall |
| 0,8 mm | Randanschnitt | Bindenahte | 8 x 10^8 ohm/sq | 1.600x | Füllstoffverarmung |
| 1,5 mm | Randanschnitt | Nahe Anschnitt | 3 x 10^5 ohm/sq | 1x | Moderate Scherung |
| 1,5 mm | Randanschnitt | Mitte | 6 x 10^6 ohm/sq | 20x | Ausgewogene Orientierung |
| 1,5 mm | Randanschnitt | Fließwegende | 2 x 10^7 ohm/sq | 67x | Moderater Druckabfall |
| 1,5 mm | Randanschnitt | Bindenahte | 6 x 10^6 ohm/sq | 20x | Teilweise Erholung |
| 2,5 mm | Randanschnitt | Nahe Anschnitt | 4 x 10^5 ohm/sq | 1x | Weniger Scherung |
| 2,5 mm | Randanschnitt | Mitte | 5 x 10^6 ohm/sq | 12,5x | Zufälligere Orientierung |
| 2,5 mm | Randanschnitt | Fließwegende | 8 x 10^6 ohm/sq | 20x | Minimaler Druckabfall |
| 2,5 mm | Randanschnitt | Bindenahte | 5 x 10^6 ohm/sq | 12,5x | Reduzierter Einfluss |
| 1,5 mm | Zentralanschnitt | Alle Positionen | 2 x 10^5-6 x 10^5 ohm/sq | 3x | Gleichmäßiger Fluss |
| 1,5 mm | Mehrere Anschnitte | Alle Positionen | 3 x 10^5-7 x 10^5 ohm/sq | 2,3x | Ausgeglichener Fluss; mehrere Bindenähte |
Die schlechteste Kombination aus 0,8 mm Wand, Randanschnitt und Bindenahte erzeugt etwa 1.600:1 Variation. Mit mittlerer Wanddicke, Zentral- oder Balanceanschnitt und Bindenahte-Management kann sie auf 3:1 oder besser sinken.

Kundendiagnose und Validierung
Ein Hersteller ESD-sicherer Elektronikgehäuse nutzte ein leitfähiges PP, DGK-PP DD4-5, für eine komplexe Geometrie. Die Nennwanddicke betrug 1,5 mm, nahe dem Fließwegende lag aber ein Bereich mit 0,8 mm. Das Werkzeug hatte einen einzelnen Randanschnitt.
Die Teile bestanden nahe dem Anschnitt, fielen aber an der dünnen Stelle und an einer Bindenahte um einen zentralen Dom aus. Die Ausschussrate lag bei 14%.
| Position | Wanddicke | Widerstand | Status |
|---|---|---|---|
| Nahe Anschnitt | 1,5 mm | 5 x 10^5 ohm/sq | Bestanden |
| Mitte, dicker Bereich | 1,5 mm | 6 x 10^5 ohm/sq | Bestanden |
| Dünner Abschnitt | 0,8 mm | 8 x 10^7 ohm/sq | Ausfall |
| Bindenahte um Dom | 1,5 mm | 6 x 10^8 ohm/sq | Ausfall |
| Fließwegende | 1,5 mm | 2 x 10^6 ohm/sq | Grenzwertig |
| Problem | Mechanismus | Auswirkung |
|---|---|---|
| Hoher Widerstand dünner Bereich | Scherung bei 0,8 mm störte das Netzwerk | 160x Anstieg |
| Hoher Widerstand Bindenahte | Schmelzefronten trafen zusammen, lokale Konzentration fiel unter Perkolation | 1.200x Anstieg |
| Gradient Anschnitt-Ende | Langer Fließweg verursachte Druckabfall und Orientierungswechsel | 4x Anstieg |
- Anschnitt vom Rand in die Mitte verlegen, um den Fließweg zu kürzen und die Bindenahte aus der kritischen Fläche zu bewegen.
- Dünnen Abschnitt von 0,8 mm auf 1,2 mm erhöhen, wo die Konstruktion es zulässt.
- Auf hybrides leitfähiges PP, Ruß + CNT, für bessere Bindenahte-Leistung wechseln.
- Prozess anpassen: Schmelze 210 C -> 220 C und Geschwindigkeit 60 mm/s -> 45 mm/s zur Reduzierung der Scherung.
| Parameter | Original | Optimiert | Verbesserung |
|---|---|---|---|
| Widerstand nahe Anschnitt | 5 x 10^5 ohm/sq | 4 x 10^5 ohm/sq | Stabil |
| Widerstand dünner Bereich | 8 x 10^7 ohm/sq | 2 x 10^6 ohm/sq | 40x besser |
| Widerstand Bindenahte | 6 x 10^8 ohm/sq | 5 x 10^5 ohm/sq | 1.200x besser |
| Widerstand Fließwegende | 2 x 10^6 ohm/sq | 6 x 10^5 ohm/sq | 3,3x besser |
| Widerstandsvariation | 1.200:1 | 12:1 | Stark verbessert |
| Spritzguss-Ausschuss | 14% | 3,5% | Reduziert |
Das ursprüngliche Design kombinierte 0,8 mm Wand, Randanschnitt und Bindenahte am zentralen Dom. Dadurch entstanden mehrere Hochwiderstandszonen, und die Variation 1.200:1 bedeutete: bestanden nahe Anschnitt, Ausfall an kritischen ESD-Flächen.
Die Optimierung kürzte den Fließweg, verschob die Bindenahte, erhöhte die dünne Wand auf 1,2 mm und nutzte eine hybride leitfähige PP-Richtung. CNT erzeugten zusätzliche leitfähige Pfade, die beim Zusammentreffen der Fließfronten stabiler blieben.
DEYU unterstützte nicht nur bei der Materialrichtung, sondern auch bei Anschnittverlegung, Wanddickenänderung, Hybridfüllstoff und Prozesssenkung der Scherung.
Ergebnisinterpretation: Konstruktionsrahmen
| Schritt | Aktion | Ziel |
|---|---|---|
| Schritt 1 | Kritische ESD-Flächen definieren | Festlegen, wo Widerstandswerte zwingend gelten. |
| Schritt 2 | Wanddicke wählen | <1,0 mm vermeiden; 1,5-2,0 mm bevorzugen. |
| Schritt 3 | Anschnitt auslegen | In dicke Zone legen, Fließweg kürzen, mehrere Anschnitte prüfen. |
| Schritt 4 | Bindenähte managen | Simulation nutzen und Bindenähte von kritischen Flächen entfernen. |
| Schritt 5 | Produktionsteile validieren | Anschnitt, Mitte, Bindenahte und Fließwegende messen. |
Geeignete Anwendungen: Konstruktionspriorität
| Anwendung | Kritischer Faktor | Ansatz |
|---|---|---|
| IC-Trays | Bindenähte | Mehrere Anschnitte; Bindenähte außerhalb Kontaktzonen |
| Elektronikgehäuse | Anschnitt und dünne Bereiche | Zentralanschnitt; kritische dünne Zonen vermeiden |
| Dünnwand-Elektronik | Wanddicke und Anschnitt | Fächeranschnitt; kurzer Fluss; >1,0 mm |
| Automotive-ESD-Teile | Fluss und Bindenähte | Mehrere Anschnitte und Fließbalance |
| Reinraumvorrichtungen | Oberflächengleichmäßigkeit | Mittlere Wanddicke und Zentralanschnitt |
| Förderkomponenten | Leitfähigkeit über Dicke | Dickere Wände und Hybridfüllstoffe |
Was Käufer für Designsupport bereitstellen sollten
- Zeichnung mit Geometrie, Wanddicken und aktuellem oder geplantem Anschnitt.
- Kritische ESD-Flächen und Messpunkte.
- Zielbereich und Messmethode.
- Fließsimulation, falls vorhanden.
- Aktueller Fehler, wenn das Teil bereits gespritzt wird.
- Schmelze, Werkzeugtemperatur, Einspritzgeschwindigkeit.
- Monats- oder Jahresmenge.
- Abnahmekriterien und Stichprobenplan.
- Anschnittempfehlung aus Fließanalyse;
- Optimierung der Wanddicke;
- Materialauswahl für geometriebedingte Widerstandsprobleme;
- Kleinserienvalidierung mit Widerstands-Mapping;
- Prozessoptimierung für gleichmäßige Verteilung.
Fazit
- Wanddicke beeinflusst Scherung und Abkühlung.
- Anschnittposition bestimmt den Fließweg.
- Ein Messpunkt reicht für leitfähiges PP nicht aus.
- Bindenähte sind oft die kritische Ausfallzone.
- Design und Material hängen zusammen.
- Validierung muss positionsbezogen und an Prozessgrenzen erfolgen.
Ziel ist nicht, jede Widerstandsdifferenz zu beseitigen, denn ein Teil der Streuung gehört zum Spritzguss. Ziel ist, Teil und Material so auszulegen, dass alle kritischen Flächen innerhalb der Spezifikation bleiben. DEYU unterstützt Anschnittposition, Wanddicke, Materialrichtung und Kleinserienvalidierung mit vollständigem Widerstands-Mapping.
